Fotos: Andreas Stuckenschneider

EXPOSED

16.02. - 24.03.2018

 

 

Im Rahmen des „Duesseldorf Photo Weekend 2018“, an dem sich mehr als 40 Institutionen, Galerien und Off-Spaces beteiligen, zeigt die DIRECT ART GALLERY mit der Ausstellung No. 16 erstmalig Werke der Fotografin Christine Denck und positioniert sich damit in der Düsseldorfer Kulturlandschaft als Non-Profit-Galerie, die ihren Fokus auf Outsider Art, auf die Entdeckung und Förderung künstlerischer Grenzpositionen legt.

 

Die 1966 geborene, in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin fotografiert seit ihrem 14. Lebensjahr, indem sie als „Bilderjägerin“ Kamera-Streifzüge unternimmt, auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen im Alltäglichen. Ebenso erschafft sie Kurzfilme, deren Konzeption, Regie, Kamera und Schnitt komplett in ihrer Hand liegen. Einen weiteren Schwerpunkt in ihrem Schaffen bilden Porträtarbeiten.

 

Ihre Menschenbilder berühren tief, erzählen Geschichten, fordern die ungeteilte Aufmerksamkeit des Betrachters ein. So sind es die großen Lebensthemen, die Denck in ihren starken Porträtarbeiten herauskristallisiert: Menschen, die ihre eigene Identität hinterfragen, Menschen, die die Welt zu begreifen suchen. Dies alles kulminiert in dem fragenden Blick der kauernden, unbekleideten Frau in dem Werk „exposed“, das in kompromissloser Nahaufnahme in alle Dimensionen der Persönlichkeit vordringt. Ausgestellt, ausgeleuchtet, fast schon ausgeliefert müsste sich die fragil wirkende Protagonistin fühlen, und dennoch behauptet sie sich inmitten der ins Leere starrenden Schaufensterfiguren durch ihren festen, wachen Blick, der ihr Eigenstes preisgibt. Mensch und Puppe scheinen sich formal einander anzugleichen – ein perfekt ausgeleuchtetes Spiel von Verlebendigung und Erstarrung.

 

In „forever young“ ist es ebenfalls der direkte und dennoch nicht fassbare Blick eines 17jährigen Mädchens, der den Betrachter zum Hinschauen zwingt. Mit hoher Intensität leuchtet er aus der Maskerade von Schminke, Glitzer und Makellosigkeit hervor, eingefangen im Augenblick einer Drehbewegung, ausbalanciert durch den Halbkreis eines Fächers. Trotz der glamourösen Aufmachung liegt ein seltsam ernster Schatten auf der „ewigen Jugend“. Tatsächlich starb die junge Frau einige Monate nach Entstehung des Porträts.

 

Christine Dencks Werke visualisieren existenzielle Emotionen. Ihre Arbeiten „surprice surprice“ und „she has been sleeping too long“ zeigen jeweils eine Frau im überkandidelten Schlafdress, die offensichtlich den Abriss des eigenen Hauses verschlafen hat und nun fassungslos inmitten eines Trümmerbaus steht. Die Skurrilität der wiedergegebenen Situation gibt jedoch auch Ängsten Raum: Verlust des häuslichen Schutzes, Verlorenheit und Desorientierung, das Stehen am Abgrund. Die allumfassende Sehnsucht nach Freiheit spiegeln Dencks Werke, die in der Cowboy-Romantik des Wilden Westens angesiedelt sind. Vergleichbar mit der ikonischen Serie „Cowboys“ von Richard Prince, der Ausschnitte aus Marlboro-Anzeigen zitiert, wird das Gefühl von Lässigkeit und ungebändigtem Leben in Szene gesetzt, wenn auch in „chicas y ponies“ sich das Augenmerk der Reiterin mehr auf die Flasche Whisky richtet und nicht auf die anatomische Problematik des Pferdes, das trotz aller Dynamik nicht vom Fleck kommt.

 

Die Fotografin Christine Denck will Klischees aufbrechen. So versetzt sie in ihren Darstellungen die Modelle – zum Teil auch sich selbst – in verkehrte, eigenartige Posen, in andere Rollen oder in ungewohnte Kontexte. Hierdurch entstehen Bildsituationen, die „out of reality“ sind und keinem gängigen Bildkonzept entsprechen.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.