Fotos: Andreas Stuckenschneider


THROUGH THE LOOKING GLASS

04.09. - 30.10.2015

 

 

Mit der Ausstellung Nº 6 präsentiert die DIRECT ART GALLERY erstmals eine Einzelschau des international etablierten Outsider-Künstlers Josef Hofer im Rheinland. Hofer ist in zahlreichen Museen und Sammlungen weltweit vertreten. Im Jahr 2003 wurde er in die „Collection de l‘Art Brut“ von Jean Dubuffet in Lausanne aufgenommen.

In den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs geboren, wuchs Josef Hofer aus elterlicher Scham und Furcht vor Diffamierung und dem zeitpolitischen Klima, völlig isoliert auf einem Bauernhof in Oberösterreich auf. Objekte und Tiere der Umgebung, die er mit expressivem Gestus skizzenhaft auf Papier brachte, prägen seine frühen Zeichnungen. Ein Spiegel, den Hofer in den 90er Jahren auf einem Antiquitätenmarkt kauft, führt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Auf dem Boden vor seinem Bett positioniert, dient ihm der Spiegel als Gegenüber, als „Alter Ego“, mit dem er in Kontakt tritt, in dem er sich reflektiert und immer wieder neu erfährt. Die Wahrnehmung und Inszenierung des Körpers wird zum zentralen Thema seiner Arbeit. Nach intensiver Beobachtung seiner Reflexion in allen erdenklichen Posen, zeichnet sich Hofer in nicht selten intimen Situationen - urinierend, onanierend, ejakulierend. Doch nicht das politische oder idealisierte Selbstbild steht im Vordergrund seiner Auseinandersetzung mit erotischen Bildthemen. Hofer will nicht provozieren. Mit Michel Thévoz Worten ist es der „state of graze“, der Hofers Arbeiten innewohnt - ein absichtsloser Blick auf sich und seine Umgebung. Den nackten männlichen Körper, der zum Teil fragmentiert, in sich verdreht und unnatürlich expandiert dargestellt wird, umrahmt Hofer mit einem Geflecht aus gelb-orangefarbenen Strukturen.

Anfangs treten die Strukturen nur partiell auf, dann dominieren sie das gesamte Blatt, um schließlich für die nackten Körper aufzureißen. Die charakteristischen Strukturen werden zu Rahmen. So wie Hofers Spiegelbild mit einem geschnitzten Zierrahmen umgeben ist, befinden sich auch seine Selbstdarstellungen innerhalb einer klar gegliederten Rahmenarchitektur. Während die dichten Strukturen der frühen Arbeiten noch einzelne Felder einer zumeist linearen Linienführung bilden und nur kleine Nischen für die Körper öffnen, sprengen sie in späteren Arbeiten förmlich auf. Der dichte, breite Rahmen, der die Körper oder Körperteile wie eine Schutzschicht umgibt, wird übertreten und zur Darstellung von Perspektive und Räumlichkeit funktionalisiert. Die Körper sitzen plötzlich auf dem Rahmen, sie fügen sich nicht mehr in die vorgegebenen Nischen ein, sondern bestimmen die Komposition, während die zum Teil sehr schmalen Rahmen um die Körper herumgeführt werden. Die vormals linearen Strukturen führen wie Treppenstufen in den Raum des dargestellten Subjekts.

Hofers Werk ist phasenweise geprägt von einer Faszination für Egon Schieles Zeichnungen. Dies drückt sich in dem Versuch aus, Schieles Akte auf dem Boden kniend nachzustellen. Hofer übernimmt Schieles Körperauffassung und Kolorite, um sie in seine unverkennbare Bildsprache einzubetten. Man kann nun auch weibliche Akte erkennen, die im Sinne der gesellschaftlich kodierten Erotik, die Hofer durch Schieles Werk zuteilwird, lange Stiefel tragen und in erotischen Posen dargestellt werden. Hofers Spätwerk ist geprägt von mehrfigurigen Darstellungen. Gestik und Mimik vermittelt Hofer durch wenige expressive Striche.

 

Josef Hofer wurden in den letzten Jahren zahlreiche internationale Ausstellungen und Publikationen gewidmet. Vor allem das große Engagement der Kunsthistorikern Elisabeth Telsnig, die Josef Hofer seit 1997 künstlerisch betreut, ermöglichte die Präsentation auf Messen, u.a. der Frieze Art Fair in London und in Ausstellungen. Hofer ist in großen privaten und öffentlichen Sammlungen, u.a. in der „Collection abcd“ von Bruno Decharme und der „Collection de l‘Art Brut“ in Lausanne vertreten.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.