Fotos: Andreas Stuckenschneider


KAKTEENHERZ

20.03. - 16.05.2015

 

 

Die DIRECT ART GALLERY eröffnete mit Nº 4 „Kakteenherz“ erstmalig eine Einzelausstellung mit Werken der Künstlerin Menia.

 

Das Thema der Ambivalenz ist programmatisch für die Malerei der 1965 in Polen geborenen Künstlerin Menia. Der für die Ausstellung gewählte Werkstitel „Kakteenherz“ verdeutlicht die Widersprüchlichkeit, die der Malerei Menias innewohnt. Kakteen wecken aufgrund ihrer Stacheln die Assoziation von Verletzung, während das Herz ein Symbol für die Liebe im Sinne der Hingabe ist. Auch das Gemälde „Wild“ ist von einer ambivalenten Darstellungsweise geprägt.

 

Auf Laub gebettet liegt der längs vom Hals bis zum Schambein aufgeschlitzte Körper. Er windet sich auf unnatürlich groteske Weise, sodass der Torso in eine weiche Rundung gleitet, die sich in der Form des Halses, des Rückens, des Knies und der beiden Gesäßhälften, nicht zuletzt in der Komposition der hintergründigen Naturszene widerspiegelt. Ein weicher, runder Körper also, gequält verdreht, brutal verletzt. Das weibliche Wesen spreizt seine Beine weit auseinander. Der Betrachter erlangt freie Sicht auf das dargestellte Geschlecht. Der dunkle Schambereich kontrastiert mit dem bleichen Körper, ebenso das aus den Wunden tropfende Blut. Lange, spitze Krallen zieren die gekrümmten Zehen und Finger. Der geöffnete Mund und das zu einem Schlitz geformte Auge sind in frontaler Perspektive gezeichnet, während der nach hinten überstreckte Kopf nur die Seitenansicht zulässt. Der Titel „Wild“ verdeutlicht damit die Mehrdeutigkeit der Darstellung. Das äußere Erscheinungsbild bezeugt das wilde, animalische Wesen der Dargestellten. Zugleich verweisen ihre überbetonten weiblichen Geschlechtsteile, der geschundene, gespreizte Körper und der zwischen lust- und schmerzvoll anmutende Blick auf die Deutung des Titels als Bewandtnis sexueller Gewalt. Hat sich die groteske Kreatur selbst verletzt oder wurde sie als „Freiwild“ missbraucht?

 

Steht der Betrachter vor einem der großformatigen Bilder, so wird ihm die Zerstörung des Paradieses zuteil. Das Ausmaß und die Weise destruktiver Verwandlung einer Landschaft, eines Körpers, eines atmosphärischen Moments in Menias Werk verweigern sich der Einheitlichkeit. Manchmal sind es geschundene Körper, die sich vor einer exotischen Landschaft krümmen. Dann wiederum täuschen poetisch-sinnliche Szenerien Harmonie und Geborgenheit vor. „Der Traum vom Ankommen“ verbildlicht ein ungemein aktuelles Thema unserer Zeit. Ein Koloss ruht in sich versenkt auf weißem Südseestrand. Die rechte Hand des Mannes liegt auf einem Herzen, der Kopf wie geborgen auf der eigenen kräftigen Brust. Der dunkelhäutige, überbetont muskulöse Körper des Dargestellten gleicht beinahe einem in sich geschlossenen Quadrat und lässt Menias Beschäftigung mit der kubistischen Formensprache erahnen. Der Schein des wohligen Zustands von Geborgenheit und Harmonie trügt in Anbetracht des Titels und realer politischer Ereignisse. Das Bild bezeugt das immerwährende Thema der Sehnsucht nach Frieden und Einvernehmen in Menias Oeuvre. Menias eigenwillige Bildsprache spiegelt sich in der naiv anmutenden Malweise wider, die weder Regeln der Anatomie, noch Perspektive befolgt. Die Einteilung des Bildes in Vorder-, Mittel- und Hintergrund sowie der Einsatz von Lokalfarben, verstärken den Eindruck kindlicher Imagination. Die den Malereien innewohnende Wirkung von Ambivalenz und Widersprüchligkeit wird in der bewusst naiven Bildsprache potenziert. Umso erschreckender erscheint die Bildbedeutung in unschuldiger Manier.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit geistigem oder psychischem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.